Berlin als Muse
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Von Silke Böttcher

Mauern haben Künstler schon immer beschäftigt, innere ebenso wie solche aus Stein. Kein Wunder, dass die einstige Mauerstadt Berlin so viele Künstler anlockte. Vier von ihnen singen und sprechen heute im Institut Français über ihr Leben in Berlin, über die Zeit nach dem Mauerfall und den Chanson dies- und jenseits des Rheins.

Zwei französische und zwei deutsche Chansonniers treffen an diesem Abend aufeinander. Corinne Douarre etwa, die seit 1997 in Berlin lebt und die Stadt deshalb ohne die Mauer kennengelernt hat. Sie lässt sich von Ampelmännchen im Prenzlauer Berg ebenso inspirieren wie von der Schönheit des Ozeans in ihrer Heimat. Längst hat ihre Musik eine Luftbrücke zwischen Berlin und der französischen Atlantikküste gebaut - deutsche Einflüsse finden sich ebenso wie französische.

Bérangère Palix, die Südfranzösin, kam ebenfalls 1997 nach Berlin - hier entdeckte sie ihre Leidenschaft für französische Chansons und weckte sie rasch auch beim Berliner Publikum. Inzwischen bleibt sie längst nicht mehr bei der Muttersprache. Als Mitglied des Quartetts Aquabella singt sie Lieder in 20 Sprachen.

Manfred Maurenbrecher und Boris Steinberg haben Berlin vor und nach dem Mauerfall erlebt - beide sind in der Stadt geboren. Und beide halten es mit dem deutschen Chanson. Maurenbrecher singt von Steinen im Schuh und romantischen Stunden am Fluss ebenso wie von Bad Banks und der Krise. Boris Steinberg wiederum befasst sich gern mit den großen und kleinen Dramen des Lebens, vom Februar-Gefühl bis zu den Mauerkindern.

Ein Höhepunkt der von Cornelius Wüllenkämper moderierten Gesprächsrunde ist ein Werkstattkonzert: Die vier Chansonniers tragen am Schluss Ausschnitte ihres Repertoires vor.